Im Jahr 2000 hatte ich die Gelegenheit, am EUREX-Handelssystem der Deutschen Börse in Frankfurt mit zu entwickeln. Es war die goldene Zeit der New Economy, ganz Deutschland war im Börsenfieber, Infineon, die Telekom und ein innovatives Unternehmen namens Cargolifter gingen mit großem Erfolg an die Börse. Dies führte zu Leitungsengpässen und zu Staus auf der Datenautobahn. Ich hatte die Aufgabe, diese mit Hilfe speziell an die Handelsdaten angepasster Kompressionsverfahren aufzulösen. Wie es so in der Softwareentwicklung ist, wenn man einmal ein Thema bearbeitet hat, reagiert man immer besonders aufmerksam, wenn es dazu Neuigkeiten gibt. So hat auch der folgende Artikel aus dem Magazin Spektrum des IEEE gleich in mehrfacher Hinsicht mein Interesse geweckt: http://spectrum.ieee.org/computing/it/financial-trading-at-the-speed-of-light
Offenbar haben Handelsplattformen nun den Grad an Effizienz erreicht, der nur noch durch die Lichtgeschwindigkeit begrenzt ist, was dazu führt, dass Rechenzentren in der Nähe von Börsen errichtet werden, um auch noch Vorteile im Mikrosekundenbereich zu nutzen. Ob es Sinn macht und wie hoch das Risiko ist, den Handel ganz in die Hände von Algorithmen zu legen (das menschliche Gehirn mit seiner Reaktionszeit im Millisekundenbereich ist hier ja schon längst abgehängt), ist eine ganz andere Frage, die man sich in diesem Zusammenhang stellen könnte.
Zumindest für die Grundlagenforschung aber auch für die Freunde der Science Fiction tut sich hier eine große Hoffnung auf: wurde nicht im CERN die Hoffnung auf die Entdeckung überlichtschneller Teilchen geweckt? Oder wäre vielleicht mit quantenverschränkten Elementarteilchen eine überlichtschnelle Kommunikation möglich? Vielleicht darf sich die Forschungswelt zukünftig auf ganz neue potenzielle Drittmittelgeber einstellen? Spin-offs mit anschließendem Börsengang nicht ausgeschlossen.