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Die Brille ist das neue Smartphone 

Im Jahr 2007 revolutionierte Apple die IT-Welt mit der Idee, dass Ihr Mobiltelefon eigentlich keine Tasten benötigt. Zusammen mit einer zuverlässigen und schnellen Anbindung an’s Internet wurde damit der Weg frei zu einem Allzweckgerät, bei dem Telefonieren nur noch eine Funktion unter vielen ist. Fünf Jahre später stellt sich die Frage, ob ein Mobiltelefon überhaupt noch ein Gerät als solches sein muss. Falls Sie Brillenträger sind, verfolgen Sie vielleicht schon lange die Vision vieler Science Fiction-Autoren, die Funktionalitäten heutiger Smartphones in Gestell und Gläser einer Brille einzubauen. Und tatsächlich brachte Google in dieser Woche mit seinem Project Glass einen Prototypen an die Öffentlichkeit, der viele dieser Visionen zur Realität verhelfen kann und der guten alten Sehhilfe ganz neue Dimensionen eröffnet.

Google ist nicht der erste mit einem solchen Projekt. Video-Brillen sind im Spielebereich schon länger bekannt, auch Augmented Reality ist in manchen Spezialbereichen wie z.B. Architektur oder Maschinenbau bereits im Einsatz. Das faszinierende am Project Glass ist daher nicht die Innovation, sondern die Hinführung zur Alltagstauglichkeit.  Alltagsprodukte sinken im Preis, was wiederum einen Schub an neuen Entwicklungen zur Folge hat. Bereits gängige Apps heutiger Smartphones hätten in Datenbrillen bereits einen Mehrwert an sich: Maps, Foto- und Videoaufnahmen, aber auch unaufdringliche Dateneinblendungen, wie im Video gezeigt. Eine automatische dreidimensionale Sicht sowie eine enge Kopplung von Sichtfeld und räumlicher Lokalisierung eröffnen aber auch Möglichkeiten für eine Vielzahl neuer praktischer (und vermutlich noch wesentlich mehr unpraktischer) Anwendungen.

Zu lösen wird noch das Problem der Dateneingabe sein. Im Video kommuniziert der Anwender per Spracheingabe mit der Brille. Eine Möglichkeit, die in der Öffentlichkeit hoffentlich keine Schule macht und selbst bei Siri auch noch nicht wirklich überzeugend handhabbar ist. Eyetracking wäre eine Möglichkeit, um zumindest eine halbwegs Mauscursor-orientierte Bedienung zu ermöglichen. Interessant wird die Technologie aber im Zusammenhang mit einer eingebauten Gestenerkennung. Erkennt die Brille, was ich mit meinen Händen mache, so können beliebig virtuelle Tastaturen und Bedienelemente in das Sichtfeld eingeblendet werden. Die Ansätze für diese Technologie sind bereits da, nun gilt es sie zu integrieren. Faszinierende Möglichkeiten aber auch neue Risiken stehen uns bevor. Eine Brille mit Fotofunktion ist sicher nicht an allen Orten gerne gesehen. Das Einblenden von Informationen im Sichtfeld kann zu Gefahren führen, vor allem im Straßenverkehr. Auch hier gilt es, sich frühzeitig mit den neuen Möglichkeiten vertraut zu machen.

Haben wir nun mit Datenbrillen das optimale Benutzerinterface erreicht? Der Science Fiction Autor Vernor Vinge schildert in seinem sehr lesenswerten Roman “Rainbows End” die Vision einer Benutzerschnittstelle über Kontaktlinsen. Und wenn Sie das heute noch für reine Science Fiction halten, sollten Sie sich mal einen Artikel aus dem IEEE Spectrum anschauen: Augmented Reality in a Contact Lense.

Eingetragen von Admin Samstag, 7. April 2012 12:21:00 Kategorien Technologie User Interfaces

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